















Fotos: Alexander Mühle
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„Alleen in Deutschland“
Fachtagung 17. November 2006 Osnabrück
Mit einem „dringenden Appell“ an die obersten Straßenbaubehörden
der Länder, durch Gesetze die Entwicklung von Alleen an Straßen nicht „erheblich
zu erschweren“, ging heute in der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in
Osnabrück eine Alleen-Fachtagung zu Ende. Alleenschutzgemeinschaft (ASG),
Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) und
Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau (FLL)
machten sich in einer Resolution massiv dafür stark, die in den „Empfehlungen
zum Schutz vor Unfällen mit Aufprall auf Bäume“ (ESAB) vorgesehenen
Abstandswerte zu verringern. Die sehen für Pflanzungen an Landstraßen
mindestens viereinhalb Meter Abstand von Bäumen zum Straßenrand vor, obwohl
die angrenzenden Flächen häufig nur bis maximal drei Meter dem jeweiligen Land
gehörten. Eigentumsrechtliche Gründe würden dann dazu führen, dass die Länder
Alleebäume voraussichtlich kaum nachpflanzen könnten.

„Erstmalig haben namhafte Experten aus Denkmalpflege, Naturschutz,
Landschaftsarchitektur, Biologie, Baumpflege, Geschichte, Recht, Städtebau, Tourismus
und Verkehr alle Sichtweisen interdisziplinären Wissens über Alleen gebündelt und im
Dialog diskutiert“, hebt DBU-Pressesprecher Franz-Georg Elpers die Bedeutung der von
der weltweit größten Umweltstiftung geförderten Tagung hervor. In Deutschland sind
zwölf Prozent der überörtlichen Straßenkilometer – das entspricht 23.200 Kilometern –
von Alleen gesäumt, davon etwa 18.000 Kilometer in den ostdeutschen Bundesländern.
„Die im Vorfeld dieser Tagung erstmalig vorgenommene Bestandsaufnahme zeigt, dass
diese Alleen durch Straßenbau, Abgase, Streusalz, Krankheiten und falsche Behandlung
vor allem durch Überalterung der Bäume stark gefährdet sind“, weiß ASG-Vorsitzender
Ingo Lehmann. Gemeinsam mit Dr. Michael Rohde, Gartendirektor der SPSG, hatte
Lehmann in der Buchdokumentation „Alleen in Deutschland“ 50 Experten zu Wort
kommen lassen.

Bedenklich sei, dass die ESAB zur Vernachlässigung oder gar Verhinderung von Neu-
und Nachpflanzungen führten. Sollten die verbindlich umgesetzt werden, seien
aufwändige, zeitraubende und kostenintensive Grundstücksverhandlungen die Folge. Mit
der Resolution sei vor allem ein Appell an die nordrhein-westfälische Landesregierung –
Trägerin der landesweiten so genannten „100- Alleen-Initiative“ – verbunden, die ESAB
nicht als Richtlinie für Landesstraßen einzuführen und damit dem Alleenschutz auch
langfristig zum Erfolg zu verhelfen.

Die Experten der DBU-Tagung forderten einen Bewusstseinswandel, denn dem
nationalen Kulturerbe Alleen drohe eine deutliche Marginalisierung und schließlich gar
Verlust. Maßnahmen zu Schutz und nachhaltiger Pflege der Alleen seien deshalb heute
dringlicher denn je. Das während der Tagung vorgestellte DBU-Förderprojekt „Pflege und
Unterhalt der historischen Alleen in Schleswig-Holstein“ habe etwa ganz neue
Erkenntnisse zur naturschutzfachlichen Wertigkeit von Alleen ergeben.

„Alleen gehören zu unserem Kontinent wie zu keinem anderen. Sie sind Teil unserer
europäischen Kulturgeschichte“, unterstrich Rohde dieses Anliegen. Es müsse allerdings
mehr über die Bedeutungsvielfalt und Lebensgrundlagen von Alleebäumen aufgeklärt
werden, um Schutz und Pflege zu verbessern. Dazu sei es auch notwendig,
Alleenbestände zu aktualisieren und zu bewerten. Rohde zeigte sich zuversichtlich: „Die
DBU als Tagungsort zu diesem identitätsstiftenden Thema ist ideal: Hier werden
Synergien zwischen Kulturgüter- und Naturschutz strategisch gebündelt. Dass der
entscheidende Impuls zum Umdenken mit dem Ziel des Alleenschutzes und -erhalts von
diesem Ort ausgeht, ist ein hoffnungsvoll stimmendes Zeichen für die Zukunft der Alleen
in Deutschland“.


Zum Tagungsbericht der ASG (pdf, 136 k)
Ansprechpartner:
DBU:
Franz-Georg Elpers
- Pressesprecher -
Katja Cherouny
Anneliese Grabara
Kontakt :
An der Bornau 2
49090 Osnabrück
Telefon: 0541|9633521
Telefax: 0541|9633198
presse@dbu.de
www.dbu.de
Alleenschutzgemeinschaft:
Ingo Lehmann
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